Yamada, Taichi

Lange habe ich nicht vom Fliegen geträumt

Ein atmosphärischer Liebesroman mit surrealen Elementen

Goldmann Verlag, 2010, 224 Seiten, ISBN: 978-3-4423-1093-7

Der 48-jährige Taura führt ein ruhiges Leben als Angestellter einer Firma, die Fertigwohnungen herstellt. Von seiner Frau und seinem Sohn entfremdet, lebt er einsam inmitten seiner Familie. Dann jedoch trifft er auf Mutsuko, als er aufgrund eines Oberschenkelbruchs ins Krankenhaus eingeliefert wird. Eine leidenschaftliche Obsession beginnt. Doch Mutsuko ist nicht wie andere Frauen - denn bei jedem ihrer Treffen ist sie auf geheimnisvolle Weise verjüngt. Wie kann das sein und wohin wird all das führen? - diese Fragen, die Taura sich stellt, durchziehen den gesamten Roman wie ein roter Faden.

Genau wie im ersten ins Deutsche übersetzten Taichi Yamada-Roman »Sommer mit Fremden«, ist der Schreibstil auch in »Lange habe ich nicht vom Fliegen geträumt« extrem knapp und einfach gehalten. Selten habe ich Romane gelesen, in denen so viele Hauptsätze lückenlos aneinandergereiht werden. Auch die Dialoge, die sehr zahlreich sind und ein wesentliches Element des Romans bilden, bestehen aus überdurchschnittlich kurzen und größtenteils kunstlosen Sätzen. Mich selbst hat dieser schlichte Stil beim Lesen nicht gestört, vielen wird er aber aller Wahrscheinlichkeit nach eindeutig zu knapp ausfallen.

Trotz der knappen Sprache gelang es Yamada, mich als Leser zu fesseln. Den Großteil der Geschichte bilden die Treffen mit Mutsuko, die sehr glaubhaft wirken. Besonders die Tatsache - und deren emotionale Auswirkungen auf die beiden -, dass Taura jedes Mal einer verjüngten Mutsuko gegenübertritt, werden gut rübergebracht. Bei der Schilderung ihrer Liebesaffäre wird das Buch nie pornographisch, trotzdem sind die Darstellungen zum Teil recht explizit. Auch die nüchterne Beschreibung seines Ehelebens sowie der Beziehung seinem Sohn gegenüber waren stimmig.

 

♥ ♥ ♥