Sukegawa, Durian

Kirschblüten und rote Bohnen

Eine kleine großartige Geschichte

DuMont Verlag, 2016, 224 Seiten, ISBN 978-3-8321-9812-1

Sentaro war wegen kleinerer Delikte im Gefängnis; sein Traum, Schriftsteller zu werden, liegt unter einem Rieseberg an Alltagstrott vergraben. So steht er Tag für Tag hinter der Theke eines Imbisswagens und bereitet Dorayaki - mit roten Bohnen gefüllte Pfannkuchen - zu, jedoch ohne auch nur im Ansatz Freude für seinen Job aufbringen zu können. Erst als er die alte Tokue kennenlernt, gewinnt er den Blick für die schönen kleinen Dinge des Lebens zurück - unter anderem die Liebe fürs Dorayaki-Zubereiten. Wie er, so hat es auch Tokue nicht leicht. Selbst im hohen Alter sieht sie sich noch mit den Folgen einer lange zurückliegenden Krankheit konfrontiert. Als sie sich mit Wakana, einer der jungen Kundinnen des Imbisses, anfreunden, ist das Trio aus Unglücksraben komplett.

 

Da ich am liebsten zeitgenössische japanische Literatur lese, bin ich immer gespannt, wenn neue Werke ins Deutsche übersetzt werden. Neben dem jüngst veröffentlichten »Der Dieb« von Nakamura, feiert nun mit Sukegawas »Kirschblüten und rote Bohnen« ein weiterer japanischer Autor sein Debüt in deutscher Sprache. Übersetzt wurde der kurze Roman von Ursula Gräfe, die vorrangig durch ihre (meiner Meinung nach sehr gelungenen) Übersetzungen Haruki Murakamis bekannt sein dürfte.

 

»Kirschblüten und rote Bohnen« ist ein sehr schmaler, aber gehaltreicher Roman, der alles hat, was ich mir von einer derartigen Geschichte wünsche. Da sind ein gescheiterter, nicht unsympathischer (Anti)Held und nur eine Handvoll Protagonisten, die sich in diesem kleinen, kargen Szenario wunderbar entfalten können. Die Handlung beschränkt sich auf wenige Orte. Die knappen Gespräche der Akteure sind nicht unbedingt immer besonders ausgefallen, meistens aber interessant. Was die Atmosphäre angeht, so ist sie größtenteils leicht melancholisch, aber niemals zermürbend. Sprachlich fallen kaum nennenswerte Eigenheiten auf, insgesamt ist der Stil jedoch sehr angenehm und ansprechend zu lesen.

 

Fazit: Mit »Kirschblüten und rote Bohnen« liegt ein schmaler, starker Roman vor, den ich besonders Anhängern stiller und unaufgeregter (typisch japanischer) Literatur empfehlen kann. Hier werden Freundschaft und die kleinen Dinge des Lebens ganz ohne Kitsch zelebriert, in eine interessante und liebenswerte Geschichte eingebunden und optisch zwischen zwei liebevolle Buchdeckel gedruckt: Wenngleich das Covermotiv mich nicht besonders anspricht, so ist das Gesamtwerk - das mit Kirschblättern verzierte Leinencover und das farbig dazu passende Lesebändchen - sehr schön geworden.

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