Ogawa, Yoko

Zärtliche Klagen

Ein kurzweiliger, wieder stiller und langsamer Ogawa-Roman

Liebeskind Verlag, 2017, 272 Seiten, ISBN 978-3-95438-073-2

Ruriko zieht es in die Berge in die alte Ferienwohnung ihrer Familie; sie braucht Abstand von ihrem Mann, der sie regelmäßig betrügt und manchmal schlägt. Hier kann sie, abgeschnitten vom Großteil der Außenwelt, auch an ihrem derzeitigen Auftrag als Kalligraphin arbeiten. In direkter Nähe wohnt jedoch der Cembalobauer Nitta mit seiner Gehilfin und einem alten Hund, deren Bekanntschaft sie macht. Es entsteht eine stille, langsame, poetische, leicht melancholische Geschichte um eine angedeutete Dreiecksliebesgeschichte, aber auch um die Frage, was für einen selbst zählt.

 

Bei Yoko Ogawas Romanen habe ich regelmäßig das Gefühl, dass sie ihre Handlung immer um die seltsamsten bzw. unscheinbarsten Gegebenheiten und Gegenstände webt, die ihr einfallen. Ob nun ein ganzer Roman über Schach, über den Gesang der Vögel, die Liebe zu Ohren – oder wie im vorliegenden Roman »Zärtliche Klagen« über den Bau von Cembalos.

 

Ihre Sprache ist dabei kühl-poetisch und unaufgeregt, die Handlung langsam, aber nicht langweilig. Ihre Protagonisten sind in der Regel etwas eigen, so auch die Protagonistin Ruriko.

 

Im Vergleich zu den letzten auf Deutsch erschienenen Romanen der Autorin empfand ich diesen hier aber noch ein Stück weit kurzweiliger. Hier gibt es keine Längen (es sei denn, man kommt als falscher Leser zu Yoko Ogawa: Dann dürfte das ganze Buch eine einzige Länge sein) und insgesamt ist das eine runde Sache.

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