Kurumatani, Choukitsu

Versuchter Liebestod

Düster, melancholisch, ansprechend

Cass Verlag, 2011, 224 Seiten, ISBN 978-3-9809022-6-7

Der Roman »Versuchter Liebestod« von Choukitsu Kurumatani handelt von einem Aussteiger: Ikushima ist vierunddreißig. Er hat einen Hochschulabschluss und arbeitete mehrere Jahre in einem Betrieb, als er beschließt, die Brücken zu seinem alten Leben abzubrechen und - wenn man das in seiner Lage so nennen kann - neu anzufangen. Jetzt findet er sich in einem abgewrackten Haus wieder, wo er in einem kleinen stickigen Zimmer den halben Tag damit verbringt, Kutteln (Ich musste googlen: Innereien) und Hühnerfleisch für ein hiesiges Restaurant im Akkord auf Spieße zu stecken. Im Haus wohnen ansonsten eher zwielichtige Gestalten. Das Zimmer nebenan wird stundenweise vermietet. Darüber hinaus wohnt dort ein Tätowierer mit Verbindungen zur Yakuza - mit seiner Frau Ayako. Obwohl Ikushima weiß, dass er die Finger von ihr lassen sollte, verfällt er ihr ...

 

»Versuchter Liebestod« ist ein stiller Roman, der ohne große Action auskommt. Vielmehr liegt ihm dieser typische Zauber zugrunde, dem man vorrangig in japanischen Romanen begegnet. Die Grundstimmung ist leicht düster, Ikushima selbst wirkt vollkommen desorientiert und ziellos. Die Sprache ist kühl, aber angenehm zu lesen. Hier ist auch die Übersetzerin Katja Busson zu loben, die bereits bei den Übersetzungen von Kazuki Kaneshiro - im gleichen Verlag erschienen - gute Arbeit geleistet hat.

 

Insgesamt ein sehr schöner stiller Roman. Ein wenig Erotik, eine vage Bedrohlichkeit, ein wenig Selbstfindung und ein wenig Selbstaufgabe sowie eine gute Portion Melancholie. Irgendwie typisch japanisch, dieser Roman - und genau das ist es, was ich an zeitgenössischer japanischer Literatur so schätze.

 

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