Abe, Kobo

Die Frau in den Dünen

Die Herrschaft des Sandes - fernab von Urlaubsträumen am Strand

Unionsverlag, 2018, 256 Seiten, ISBN 978-3-293-20809-4

Kobo Abe gilt als der japanische Kafka und darüber hinaus als Meister des Absurd-Grotesken. Ich kann nicht behaupten, ein wahrer Kafka-Kenner zu sein; das jedoch, was ich von ihm kenne, deckt sich mit der Aussage: da ist dieses unwirkliche Szenario, dieses Sisyphosartige und dazu diese kaum greifbare Bedrohung.

Im Roman »Die Frau in den Dünen« bricht ein etwas zurückgezogen lebender Lehrer auf an die Küste, um sich seiner Leidenschaft zu widmen: dem Sammeln von Insekten. Näher: Er verfolgt eine Spur und möchte dort eine bisher unbekannte Käferart finden, von der ihm wahrscheinlich bereits ein Exemplar begegnet ist und die vorzugsweise im Sand leben soll. Während er seinem Treiben nachgeht, vergisst er die Zeit, sodass er im nahegelegenen Dorf ein Nachtlager erbeten muss. Dieses Dorf ist jedoch etwas seltsam: alle Häuser befinden sich am Boden riesiger Sandlöcher, in die pausenlos der Sand wieder hinein rinnt. Er kommt bei einer etwa gleichaltrigen Frau unter. Als er am Morgen aufbrechen will, ist die Strickleiter verschwunden – und er ist ein Gefangener, der unablässig gegen den Sand ankämpfen muss.

Ich habe diesen Roman regelrecht verschlungen, auch wenn sich die Handlung theoretisch recht schnell zusammenfassen ließe. Die Sprache ist ansprechend, aber jederzeit gut lesbar. Der Protagonist kam mir manchmal vor, was seine Monologe und Gesprächsanteile angeht, als sei er einem Dostojewski-Roman entschlüpft (wird auch als Inspiration des Autors angegeben). Das, was einen als Leser aber stets begleitet, ist der Sand. Die Philosophie des Sandes, die Allgegenwärtigkeit des Sandes, die Kraft des Sandes. Sand – er vermittelt einem hier jedoch nicht das Gefühl, das Sand vermittelt, wenn man sich entspannt auf seinem Badehandtuch rekelt, sondern eher das, wenn man sich mit sandigen Füßen auf dem Rückweg in Schuhe zwängt und dieser die komplette Haut aufscheuert. Nach der Lektüre hatte ich jedenfalls wenig Lust auf einen Kurztrip zum Strand. Aber dafür Lust auf mehr Bücher des Autors.

 

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